Kundgebung 2009 - Handwerkerverein Viechtach

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Handwerkerkundgebung mit Oktoberfest am 19. September 2009 in der Stadthalle Viechtach

14.30 Uhr  Handwerkerkundgebung

 Festrednerin:   Emilia Müller Bayerische Staatsministerin für Bundes- und Europa Angelegenheiten
      
ab 18.30 Uhr  Oktoberfeststimmung   
      
Musikalische Unterhaltung
      
Veranstalter:  Handwerkerverein Viechtach 1899 e.V.

Klare Forderungen, vorsichtige Antworten

Europaministerin Emilia Müller (CSU) bei der Handwerkerkundgebung - „Nicht alle Wünsche kann man erfüllen“

Viechtach. Klare Forderungen des einheimischen Handwerks und zurückhaltende Stellungnahmen der Politik - das waren die Merkmale der Handwerkerkundgebung am Samstag in der Stadthalle. Veranstalter war der Viechtacher Handwerkerverein, der damit sein Oktoberfest verband, das am Abend weit mehr Gäste anzog als die Veranstaltung am Nachmittag.
Obwohl die Handwerkerkundgebung wieder einmal unmittelbar vor einer Wahl stattfand, wurde sie zu keiner Wahlveranstaltung. Hauptrednerin Emilia Müller, bayerische Staatsministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, nannte kein einziges Mal ihre CSU, die Union oder die FDP, sondern meinte am Schluss nur, ob aus der jetzigen Wirtschaftserholung „ein richtiger Aufschwung wird, wird vom Geschick der neuen Bundesregierung abhängen“.
Allerdings warnte die 57-jährige CSU-Politikerin aus Bruck (Landkreis Schwandorf) von einer „krisenverschärfenden Politik unter Rot-Grün“. Ein Blick in die Wahlprogramme von SPD, Grünen oder gar der Linken würde genügen, um zu erkennen, dass sie „nichts dazu gelernt haben“. Sie würden kräftig die Steuern erhöhen, womit es „noch nie gelungen ist, einen Staatshaushalt zu sanieren“. Vielmehr gelte es, die Wachstumskräfte zu mobiliseren, denn ein solider Aufschwung brauche steigende Einkommen.
Zuvor hatte die bayerische Europaministerin in einer dreiviertelstündigen, überaus sachlichen Rede dargestellt, wie sich vor allem die bayerische Staatsregierung erfolgreich gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise gewehrt habe. So stellte sie das neue Klimaschutzprogramm mit 350 Millionen Euro heraus („da ist viel Musik für das Handwerk drin“), die hervorragend laufenden Konjunkturpakete I und II hätten Aufträge und Arbeitsplätze gesichert und auch die Zehn-Milliarden-Stütze für die bayerische Landesbank sei der „richtige Ansatz gewesen, um die Sparer zu schützen“.
In diesem Zusammenhang warnte die Staatsministerin jedoch die Banken, nach der Krise „so weiter zu machen, als sei nichts passiert“. Vor allem müsse die Kreditfinanzierung von Handwerk und Mittelstand gesichert sein. „Es kann nicht sein, dass uns eine zu restriktive Kreditvergabe den Aufschwung kaputt macht und kleine Unternehmen in die Insolvenz treibt“, sagte Emilia Müller.
Und Beifall gab’s für die Ministerin auch, als sie „die Ehefrauen unserer Handwerksmeister“ lobte, die sich häufig um Finanzen und Buchhaltung kümmern. Gerade in Ostbayern seien die Handwerksunternehmen „standorttreue Familienbetriebe“, für die es wichtig sei, dass auch bei der Erbschaftssteuer nachgebessert werde.


Grußworte
Dass die Handwerkerkundgebung nicht „politisch einseitig“ verläuft, ist durch die Grußworte garantiert. Viechtachs Bürgermeister Georg Bruckner (SPD) dankte den Mandatsträgern für die Förderung des Handwerks, machte aber auch deutlich, dass die Stadt bestrebt sei, durch viele Aufträge die örtlichen Unternehmen zu unterstützen.
Mit MdL Alexander Muthmann (Freyung) trat erstmals auch ein Abgeordneter der Freien Wähler beim Viechtacher Handwerkerverein auf. Sorge bereitet ihm die Bevölkerungsentwicklung im Bayerischen Wald; „dieser Tendenz zur Abwanderung“ müsse mit verstärkter Förderung der regionalen Wirtschaft entgegen gewirkt werden, sagte Muthmann.
Obwohl er am kommenden Sonntag zur Wahl steht, beschränkte sich MdB Ernst Hinsken auf einige Hinweise, was die Regierungen für Handwerk und Mittelstand tun. Er erwähnte dabei die Sonderabschreibung für kleine Unternehmen und die Wiedereinführung der degressiven Abschreibung bis zu 25 Prozent. „Man kann nicht alle Wünsche erfüllen“ dämpfte Hinsken allzu große Erwartungen, aber er hoffe, dass „wir auch nach der Bundestagswahl noch einiges erreichen können“.
Stellvertretender Landrat Willi Killinger lobte vor allem den 1899 gegründeten Handwerkerverein, der sich „bis heute vehement für die Interessen der Handwerker einsetzt“. Wie wichtig sie für die heimische Wirtschaft sind, verdeutlichte Killinger an wenigen Zahlen. Im Landkreis Regen gibt es derzeit gut 1400 Handwerksbetriebe, die rund 5200 Menschen beschäftigen, die Zahl der Auszubildenden (550) sei beachtlich.


„Politik ist gefordert“

Als vehementer Verfechter der Handwerkerinteressen zeigte sich einmal mehr Vorstand Franz Wittmann vom gastgebenden Handwerkerverein Viechtach. Er war zwar vom Besuch in der Stadthalle (gut 80 Teilnehmer) etwas enttäuscht, nutzte aber die Begrüßung zu einem Appell an die Politik, mehr für das Handwerk zu tun und erhielt dafür großen Beifall.
Generell, so Wittmann, sei im ostbayerischen Raum eine verstärkte Regionalförderung notwendig, weil „wir sonst mit Tschechien nicht mehr mithalten können“. Dazu gehören für ihn auch die Wiedereröffnung der Bahnstrecke Viechtach-Gotteszell und „der längst überfällige Ausbau von B 11 und B 85“. Scharfe Kritik übte der Handwerker-Vorstand an den Banken, die immer häufiger Kredite verweigern, „weil sie daran zu wenig verdienen“. Dringend notwendig sei auch ein vereinfachtes Arbeitsrecht und „weniger EU-Hörigkeit“. Wittmann: „Die Politik ist gefordert, denn sonst wird’s unsere Kleinbetriebe bald nicht mehr geben.“ - hl



Bei der Rede der Ministerin: (von links) Handwerker-Vorstand Franz Wittmann, stellvertretender Landrat Willi Killinger, die Bürgermeister Georg Bruckner (Viechtach), Werner Blüml (Böbrach) und Josefa Schmid (Kollnburg), CSU-Stadtrat Alois Pinzl, 2. Bürgermeister Helmut Plenk (Bischofsmais), MdL Alexander Muthmann und MdB Ernst Hinsken.


Das Geschick der künftigen Regierung ist gefragt: Die Staatsministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, Emilia Müller, am Samstag in der Stadthalle. (Foto: Hackl)

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