Kundgebung 2008 - Handwerkerverein Viechtach

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Handwerkerkundgebung mit Oktoberfest am 20. September 2008 in der Stadthalle Viechtach

14.30 Uhr  Handwerkerkundgebung

 Festredner:  Joachim Hermann Innenminister
      
ab 18.30 Uhr  Oktoberfeststimmung   
      
Musikalische Unterhaltung    
      
Veranstalter:  Handwerkerverein Viechtach 1899 e.V.

Bedeutung des Handwerks gewürdigt

Innenminister Joachim Herrmann spricht bei Handwerkerkundgebung

Seit Jahren gehört das Oktoberfest des Handwerkervereins mit Kundgebung zu den festen Veranstaltungsterminen im Herbst und, ebenso wie das etwas größere, gleichnamige Fest in der Landeshauptstadt, findet es Ende September statt. Zur Tradition gehört auch, dass hochrangige bayerische Politiker bei der Kundgebung die Festansprache halten. In diesem Jahr war der bayerische Innenminister Joachim Herrmann am Samstagnachmittag in die Viechtacher Stadthalle gekommen, wobei er gleich zu Beginn seiner knapp einstündigen Rede feststellte: „In der Heimat von Ernst Hinsken über das Handwerk zu sprechen, ist wie Eulen nach Athen tragen“. Dennoch bedankte er sich bei den Handwerkern und dem Verein für deren Engagement. Er sei überzeugt, dass das Handwerk den Herausforderungen des neuen Jahrtausends gewachsen sei. Die Handwerker seien nah am Kunden und entwickelten stets passgenaue Verfahren und Dienstleistungen. Auch die Herausforderung durch die Konkurrenz nach der EU–Osterweiterung habe die Branche allem Anschein nach bewältigt, es sei sogar gelungen, neue Märkte zu erschließen. Die Handwerker seien gut aufgestellt, so der Minister. Die Politik müsse ihrerseits die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Dazu gehöre nach seiner Meinung an erster Stelle eine gute Verkehrsinfrastruktur. „Wir setzen uns für den Ausbau der Bundes- und Landstraßen ein“, meinte er in Bezug auf seine Partei, die CSU. In diesem Zusammenhang dankte er auch seinem Parteifreund und Landtagsabgeordneten Helmut Brunner für dessen Einsatz für den ländlichen Raum. „Menschen in allen Teilen Bayerns müssen die gleichen Zukunftschancen haben“, forderte er. Neben dem Straßenbau seien aber auch die staatlichen Investitionen wichtig. Durch die bayerische Bauverwaltung seien im vergangenen Jahr Aufträge mit einem Gesamtvolumen von sechs Milliarden Euro vergeben worden. Der Staat sei somit der größte Arbeitgeber. Weitere Themen, die der Minister ansprach, waren Energieeinsparung und Klimaschutz. Hier sah er „ein gigantisches Auftragspotential für das Handwerk“. Weiter würdigte er die große Bedeutung der 185000 Handwerksbetriebe für die bayerische Wirtschaft, vor allem auch im Bereich der „hervorragenden Ausbildung“ der Jugendlichen. Das bayerische Handwerk trage wesentlich dazu bei, dass das Bundesland die niedrigsten Arbeitslosenzahlen in Deutschland habe. Zur von der SPD geplanten Erbschaftssteuer nahm der Minister ebenfalls Stellung. Diese würde „unzählige Betriebe in den Ruin treiben“. Dies sei mit der CSU nicht zu machen, versprach er, diese würde auch in Zukunft die richtigen Rahmenbedingungen für das Handwerk schaffen, dem er zum Schluss seiner Rede viel Erfolg wünschte. Der Vorsitzende des Viechtacher Handwerkervereins Franz Wittmann bedankte sich für die Worte des Ministers und gab ihm gleichzeitig den Wunsch nach dem baldigen Ausbau der Bundesstraßen 11 und 85 mit auf den Weg. Der CSU–Bundestagsabgeordnete Ernst Hinsken, der nach Joachim Hermann ans Rednerpult trat, sprach ebenfalls von der großen Bedeutung des Handwerks als „tragende Säule unserer Wirtschaft“. Er kenne die Belastungen dieses Wirtschaftszweiges gut, betonte der gelernte Bäckermeister, aber der Bund habe einiges getan, um diese zu vermindern. So seien die Lohnzusatzkosten um 40 Prozent verringert worden. Auch er sprach die Energiekosten an und meinte, diese müssten unbedingt gesenkt werden, wobei ein Verzicht auf die Kernkraft nicht möglich sei. Grußworte sprachen vor der Festrede auch der stellvertretende Landrat Heinrich Schmidt, Bürgermeister Georg Bruckner, MdL Helmut Brunner und der Vizepräsident der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz, Wilhelm Wimmer. Schmidt nannte das Handwerk ein „Kernstück der deutschen Wirtschaft“. Die Betriebe stützten die Leistungsfähigkeit der Region, für die er sich aber eine bessere Verkehrsanbindung wünschte. Höchste Priorität sah er zudem in der engen Verzahnung von Ausbildung und Wissenschaft und begrüßte ausdrücklich die Ansiedlung einer FH– Außenstelle im Landkreis. Auch die Stadt Viechtach werde sich voraussichtlich um diese Außenstelle bewerben, meinte Bürgermeister Georg Bruckner in seinem Grußwort und wünschte sich zugleich eine „objektive Bewertung“ der eingehenden Bewerbungen nach „Sachlichkeit und Fachlichkeit“. Eine Forderung, die Helmut Brunner in seiner Rede aufgriff: „Jede Kommune hat die gleiche Chance“, sagte er zum diesem Thema. Generell nannte er die Errichtung von Außenstellen der Hochschule in den Landkreisen Freyung–Grafenau und Regen einen „neuen Beweis für die Stärkung des ländlichen Raumes durch die Staatsregierung“. Die Handwerksbetriebe seien das „Rückgrat unserer Wirtschaft“ meinte er weiter. Hier werde das erwirtschaftete Geld reinvestiert und diene der Sicherung von Arbeitsplätzen. Auch Handwerkskammervizepräsident Wilhelm Wimmer verwies auf den Erwerbszweig als „unersetzbarer, dynamischer Wirtschaftsfaktor“. Allerdings gelte es von Seiten der Politik, die privaten Haushalte zu entlasten, um den privaten Konsum wieder zu stärken. Gemeinsam mit dem Minister und dem Vorstand der Viechtacher Handwerker nahm Wimmer auch die Ehrung von langjährigen Mitarbeitern vor. Für 40 jährige Betriebszugehörigkeit bei der Viechtacher Gesellschaftsbrauerei wurde Karl Wittmann geehrt, seit 30 Jahren ist Franz Stiglbauer der Firma Eickhorst treu, 25 Jahre ist Thomas Denninger bei der Viechtacher Brauerei beschäftigt, 20 Jahre arbeitet Peter Wilhelm bei der Firma Eickhorst, seit 15 Jahren gehört Herbert Erber zur Belegschaft der Firma Wittmann und 10 Jahre ist Stefan Saller bei Alois Pinzl beschäftigt. Sie alle nahmen eine Urkunde entgegen. Nach dem politischen Teil und den Ehrungen wurde am Abend dann gefeiert. Bürgermeister Georg Bruckner zapfte mit drei Schlägen das erste Faß Bier beim Viechtacher Oktoberfest der Handwerker an und diese feierten mit ihren zahlreichen Gästen bis nach Mitternacht.



Die geehrten Mitarbeiter mit Handwerkervorstand, Kammervizepräsident und Minister (v. l.): Karl Wittmann), Franz Stiglbauer, Thomas Denninger, Franz Wittmann, Wilhelm Wimmer, Joachim Herrmann, Peter Wilhelm, Herbert Erber, Stefan Saller



Ein Schlag mit Folgen

Ganz schön spritzig ging’s zu beim Oktoberfest, zu dem der Viechtacher Handwerkerverein am Samstagabend wieder in die Stadthalle eingeladen hatte. Dafür verantwortlich war Bürgermeister Georg Bruckner, der beim Anzapfen einen „Schlag mit Folgen“ setzte, wie unser Bild zeigt. Doch der Brauerschurz verhinderte Schlimmeres und die beiden Vorstände Franz Wittmann (Mitte) und Heinz Pledl hatten sich vorsichtshalber schon hinter dem Bierfass platziert. Auch wenn die Stadthalle nicht voll besetzt war, freute sich Vorstand Franz Wittmann über den Besuch vieler Ortsvereine und befreundeter Handwerkervereine. Zum frischen Bier und guten Essen servierte die Viechtacher Stadtkapelle schönste Blasmusik.


− Foto: Hackl




„Höchste Zeit für Nachholbedarf West“

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann spricht den Handwerkern aus der Seele



„Herr Innenminister, Sie haben uns Handwerkern aus der Seele gesprochen!“ So lobte Handwerker-Vorstand Franz Wittmann den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann nach dessen knapp einstündiger Rede bei der Handwerkerkundgebung am Samstagnachmittag in der Stadthalle. Schon zuvor hatte der häufige Beifall der rund 100 Zuhörer gezeigt, dass der Innenminister offensichtlich das Richtige gesagt hatte.  Ohnehin gab es nicht wenige an diesem Nachmittag, die Joachim Herrmann als den bislang eindrucksvollsten Redner bei der Viechtacher Handwerkerkundgebung einstuften. Dies lag sicher nicht zuletzt daran, dass sich der eher als reserviert geltende CSU Politiker − er feierte gestern übrigens seinen 52. Geburtstag – in Viechtach überaus kämpferisch und engagiert und zudem überaus freundlich präsentierte. Dankbar waren ihm die Veranstalter vor allem auch dafür, dass er Wort gehalten hat. Denn als Herrmann bereits im November letzten Jahres für Viechtach zusagte, konnte er nicht wissen, dass am gleichen Tag der Landesfeuerwehrtag in Lindau stattfindet, an dem er als zuständiger Minister natürlich teilnehmen musste. So brachte den Festredner am späten Nachmittag ein Hubschrauber von Lindau nach Viechtach, wo er nach der Landung am Fußballplatz von Polizeichef Rudolf Schmucker zur Stadthalle begleitet wurde. Am Anfang von Herrmanns Rede stand ein Lob für das bayerische Handwerk im Allgemeinen und die Handwerksbetriebe in Ostbayern im Besonderen. Bei der EU-Osterweiterung habe es große Sorgen um das Handwerk gegeben, gestand der Minister, „aber unsere Betriebe haben diese Herausforderung angenommen und es geschafft, sich neue Märkte zu erschließen und dadurch Gewinne zu erzielen“. Um aber auch in Zukunft konkurrenzfähig zu bleiben, sei die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur dringend notwendig. Wegen der großen Investitionen im Osten Deutschlands seien viele Projekte bei uns auf der Strecke geblieben, räumte Herrmann ein; und 18 Jahre nach der Wiedervereinigung sei es höchste Zeit, „ein Programm Nachholbedarf West zu entwickeln“, forderte er unter Beifall. Man könne auch überspitzt formulieren: Bevor im Osten die Straßen vergoldet werden, sollte man sie bei uns richtig teeren! Bayern habe 200 Millionen Euro für den Staatsstraßenausbau bereit gestellt, aber jetzt müsse auch der Bund mitziehen. Ein wichtiges Förderprogramm des Freistaates sei auch die energetische Sanierung für staatliche Gebäude, für die 150 Millionen Euro bereit stünden. Gerade Energieeinsparung und Klimaschutz seien lohnenswerte Aufgabengebiete für unsere Handwerksbetriebe, meinte der Minister. Und da am Sonntag Landtagswahlen sind, mussten auch noch die Leistungen der Staatsregierung herausstellt werden. Bayern könne stolz sein auf die niedrigste Arbeitslosenquote, auf die geringste Armutsrate und vor allem darauf, dass man Agrarland Nummer eins geblieben und zugleich in Industrie und Dienstleistung eine Spitzenstellung in Deutschland erobert habe, sagte Herrmann. Dies alles sei nicht vom Himmel gefallen, sondern „dafür haben Sie hart gearbeitet und die Politik hat die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen“. Abschließend versicherte der Minister den Handwerkern und Betriebsinhabern die Unterstützung des Staates; dies werde so bleiben, „so lange die CSU etwas zu sagen hat“ und bedankte sich in diesem Zusammenhang für das Engagement seiner Fraktionskollegen Helmut Brunner und Helga Weinberger im bayerischen Landtag.− hl



„Unterstützung, so lange wir etwas zu sagen haben“: Innenminister Joachim Herrmann am Samstagnachmittag bei den Handwerkern.



Herzliche Begrüßung: Handwerker-Vorstand Franz Wittmann (rechts) und CSU-Ortsvorsitzender Alois Pinzl mit Joachim Herrmann bei der Ankunft vor der Stadthalle. − Fotos: Hackl

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