2016 - Gert Bruckner - Handwerkerverein Viechtach

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Riedbachbrücke überspannt alle Probleme

Handwerker arbeiten mit Ministerialdirigent und Bauamtsleiter breite Themenpalette ab





Einen schönen äußeren Rahmen bot das Viechtacher Handwerksmuseum für das Fachgespräch im kleinen Kreis mit dem Abteilungsleiter für Mittelstand, Handwerk und Tourismus im Bayerischen Wirtschaftsministerium Ministerialdirigent Dr. Gert Bruckner (kl. Bild, v.l.), Moderator und Handwerker-Vorstand Alois Pinzl junior sowie dem Leiter des Staatlichen Bauamts Passau, Leitendem Regierungsdirektor Robert Wufka. − Fotos: S. Muhr


Der hochkarätigste Gast des gestrigen politischen Fachgesprächs des Viechtacher Handwerkervereins war zwar Ministerialdirigent Dr. Gert Bruckner aus dem Wirtschaftsministerium, doch das leidenschaftlichste Thema des Abends, nämlich die Probleme an der B85, diskutierten die Teilnehmer mit Robert Wufka, Direktor des Straßenbauamtes.

Zum Gespräch hieß Vorsitzender Alois Pinzl junior die Gäste im Handwerksmuseum willkommen, darunter neben Dr. Bruckner und Wufka auch stellvertretenden Landrat Erich Muhr, Bürgermeister Franz Wittmann, Bezirksrat Heinrich Schmidt, die Fraktionssprecher des Stadtrates sowie Vertreter einiger Betriebe. Später stieß noch Richard Hettmann, stellvertretender Präsident der Handwerkskammer hinzu. Danach stellte Pinzl kurz den Handwerkerverein mit seinen 340 Mitgliedern als "Sprachrohr" des Handwerks im Kreis vor, da es keine Kreishandwerkerschaft gebe. Sinn des politischen Fachgesprächs sei es, die "Sorgen und Nöte einmal pro Jahr zu diskutieren", denn Probleme gebe es viele.




















Grußworte kamen von stellvertretendem Landrat Muhr und Bürgermeister Wittmann, der selbst Mitglied im Verein ist und gegenüber Bruckner meinte, dessen Anwesenheit sei ihm wichtiger als die eines Ministers, denn er wisse worum es geht.

Bruckner widersprach dem Bürgermeister und erwähnte, dass seine Ministerin eine Handwerksausbildung gemacht habe. Der Abteilungsleiter im Wirtschaftsministerium für Mittelstand, Handwerk und Tourismus brach zu Beginn gleich eine Lanze für das Handwerk: "Ich weiß, wie wichtig das Handwerk in dieser Region ist". Die Staatsregierung habe deshalb das Handwerk in Bayern in den letzten fünf Jahren mit 143 Millionen Euro gefördert.

Anschließend ging Bruckner auf die digitale Infrastruktur ein, deren Ausbau die Staatsregierung mit 1,5 Milliarden Euro bis 2018 fördere und mahnte die Handwerker, dass sich die Geschäftsmodelle in den nächsten Jahren verändern werden, als Beispiel nannte er "smart home". "Wenn Sie da als Heizungs- oder Elektroinstallateur nicht dabei sind, werden Sie ein Problem bekommen". Ab Herbst solle eine weitere Förderung namens "Digitalbonus" kommen, die Investitionen in Digitalisierung erleichtern soll.

Zum Thema Flüchtlinge sagte Bruckner, dass der von Journalisten so beschriebene Zustrom von Fachkräften nicht der Wahrheit entspreche. Bei den meisten Flüchtlingen bedürfe es großer Anstrengung, sie in eine Ausbildung zu integrieren. "Wer nicht einmal in seiner Muttersprache lesen und schreiben kann, tut sich schwer". Bruckner richtete ein "herzliches Dankeschön" an alle Betriebe, die helfen zu integrieren.

Bruckner kritisierte auch den zunehmenden Drang junger Menschen zum Studium: "Auf Bundesebene studieren schon mehr Menschen als eine Ausbildung machen. In Bayern ist das zum Glück noch anders". Ein guter Handwerker sei besser als ein mittelprächtiger Akademiker und man brauche mehr Abiturienten, die ins Handwerk gehen und später einmal Führungspositionen im Betrieb übernehmen.

Nach den Ausführungen des Ministerialdirigenten trug Pinzl mehrere Kritikpunkte vor. Er bat darum, den Handwerkerbonus zu erhöhen, forderte mehr Wirtschaftsförderung für das nichtproduzierende Gewerbe und regte auch eine höhere Absetzbarkeit von energetischen Gebäudesanierungen bei Handwerkerrechnungen an.

Danach gab Bürgermeister Wittmann einen Überblick über den Digitalausbau. Die komplette Innenstadt sei mittlerweile versorgt, auch das Industriegebiet sei gut abgedeckt, in den Außenbereichen schaue es aber ganz schlecht aus. Für diese befinde man sich aktuell in der Ausschreibungsphase.

Heißestes Gesprächsthema war anschließend der Straßenbau. Pinzl nannte den Ausbau der Huttersberger Höhe, die Antoni-Kreuzung, die Rehau-Kreuzung und die Riedbachbrücke als größte Probleme. Baudirektor Robert Wufka sagte, Straßenbau sei "Bohren ganz dicker Bretter". Das Umwelt- und Naturschutzrecht habe sich "radikal verändert", dadurch seien Widerstände entstanden. Wufka nannte als Beispiel den geplanten Kreisverkehr bei Patersdorf, gegen den sieben Klagen liefen. Bei der Rehau-Kreuzung gebe es Probleme mit einem ansässigen Landwirt und den Ausbau bei Ayrhof behindere eine Luchsquerung.

Bei der Sanierung der Riedbachbrücke werde momentan die Verkehrsleitung über eine Behelfsbrücke favorisiert, unklar sei noch, auf welcher Seite der Riedbachbrücke diese aufgestellt werden soll, wobei hier auch wieder ökologische Aspekte zu beachten seien.

Bezirksrat Heinrich Schmidt und stellvertretender Kammerpräsident Hettmann verstanden die ökologischen Bedenken nicht, denn die Behelfsbrücke stünde ja nur zwei Jahre. Wufka erklärte, dass auch vorübergehende Eingriffe laut Naturschutzrecht zu vermeiden seien. Stadtrat Albert Dirnberger, Betriebsleiter bei der Firma Rehau, betonte, dass verglichen mit der Riedbachbrücke alle anderen Themen "Peanuts" seien.

Nach einer kurzen abschließenden Fragerunde überreichte Alois Pinzl noch die Silbermünze des Handwerkervereins an Dr. Gert Bruckner.


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