2018 - Rita Röhrl - Handwerkerverein Viechtach

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Handwerker wollen Bürokratie schleifen

 
Alois Pinzl, Vorsitzender des Viechtacher Handwerkervereins, hatte zur Politdiskussion ins Museum geladen
 
Jörg Klotzek  02.06.2018


 
Im Handwerkermuseum Viechtach haben am Abend Kommunalpolitiker und Handwerker auf Einladung von Alois Pinzl (im Hintergrund 2.v.r) über die Probleme der Zünfte debattiert. − Foto: Klotzek

 
Zahlreiche Probleme ihrer Zünfte gewälzt haben die Mitglieder des Handwerkervereins Viechtach, die am gestrigen Abend mit Landrätin Rita Röhrl (SPD) und MdL Max Gibis (CSU) auf Einladung von Handwerkervorsitzendem Alois Pinzl im Vereinsmuseum diskutiert haben. Vor allem mit dem Bürokratismus bei öffentlichen Aufträgen hadern die Frauen und Männer des Handwerks.

An der Debatte nahmen auch Bürgermeister Franz Wittmann (selbst ein Handwerksmeister), Vize-Landrat Erich Muhr, stellvertretender Bürgermeister Hans Greil, die Vize-Präsidentin der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz Kathrin Zellner aus Röhrnbach, Dr. Wolfgang Schlüter vom Arbeitskreis Umwelt und Verkehr, Stadtrat Dr. Stefan Brücklmayer sowie mehrere Mitglieder des Handwerkervereins teil.

Sie vernahmen teils amüsiert, teils verärgert die Schilderung von Handwerksmeisterin (Heizung, Sanitär) Isabella Bauernfeind, die vom staatlichen Hochbauamt für einen Auftrag um ein Angebot gebeten worden war und diesen auch erhalten hatte. Ehe ihre Mitarbeiter ans Werk gehen konnten, habe sie "innerhalb von sechs Kalendertagen" mehr als ein Dutzend Bescheinigungen und Formulare beibringen müssen, sonst wäre der Auftrag hinfällig gewesen. Für diese Bescheinigungen, Referenzen und amtlichen Stempel musste sie wiederum innerhalb der gesetzten Frist (inklusive Wochenende) mehrere Auftraggeber, Behörden, Sozialversicherungsträger und Fachstellen anschreiben. Es habe sie zwei komplette Arbeitstage gekostet, alle Formulare beizubringen. Kurios: Dieser Bürokratismus sei bei jedem weiteren Auftrag erneut zu bewältigen. Alois Pinzl erklärte, solche Erfahrungen der Handwerkerschaft seien ein Grund, dass sich kaum noch Betriebe auf öffentliche Ausschreibungen bewerben würden.

Landrätin Rita Röhrl wiederum verwies darauf, dass sich auch Kommunen mit dem Bürokratiemonster bei Ausschreibungen herumschlagen müssten, weil Gemeinden und Landkreis ebenfalls die strengen Vorgaben einzuhalten haben, die einst für mehr Vergabegerechtigkeit und gegen Korruption eingeführt worden waren.

Der Landtagsabgeordnete Max Gibis aus Mauth (Alois Pinzl: "Ich habe ihn als unseren Ansprechpartner der Zukunft eingeladen") verwies auf einen "Entbürokratisierungsbeauftragten" der Staatsregierung, der mit eigenem Stab in der Staatskanzlei sitze (und dem er dieses Problem vortragen werde): "Der Mann ist die ärmste Sau!"

In der lebhaften Diskussion waren sich zwar alle einig, dass der Bürokratismus das Handwerk massiv behindere (Pinzl: "Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Handwerker bei uns beträgt elf Wochen"), doch woher die hemmenden Regelungen kommen, wusste niemand in der Runde so recht.
Weitere Diskussionsthemen waren die Datenschutzgrundverordnung der EU, der Fachkräftemangel im Handwerk (Rita Röhrl selbstkritisch: "Wir haben zu wenige Kinder bekommen und diese wenigen sollen alle studieren"), das Problem mit der Bauschuttentsorgung (etwa von Gasbetonsteinen) bei Badsanierungen, die Mängel in der Infrastruktur von Straßen und Breitband und die gefühlte Entwertung des Meistertitels im Handwerk. Alois Pinzl plädierte für die Wiedereinführung der Meisterpflicht in vielen Handwerksbranchen und Franz Wittmann forderte die großen Unternehmen auf, nicht nur Ingenieure einzustellen, sondern auch Meister: "Die haben wenigstens schon einmal ein Werkzeug in der Hand gehabt".

Ein Rundgang durchs Haus des Handwerks mit einer Vorstellung des 340-Mitglieder-Vereins rundete die Veranstaltung am Abend ab.





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